Wir begrüßen am Zeller Kunstweg den Künstler
Manfred Emmenegger-Kanzler
Vita
Geb. 1953 in Waldshut
Lebt und arbeitet in Ottersweier
1979-1982 Ausbildung zum Keramiker
1982-1988 Studium „Design“ an der Fachhochschule Niederrhein / Krefeld
1992 Staatspreis Baden-Württemberg, Karlsruhe
2008 Artist in residence, Intern. Ceramic Art Museum, Fuping/China
Seit 2013 Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg
Manfred Emmenegger-Kanzler ist 1953 in Waldshut geboren. Er studierte Geologie in Freiburg und Keramikdesign in Krefeld. Seit 1988 arbeitet er als freischaffender Bildhauer in Ottersweier. Über die Beschäftigung mit der Keramik kam er zu einer formalen isometrischen Bildsprache mit hoher Präzision und Materialgerechtigkeit. Manfred Emmenegger-Kanzler arbeitet hauptsächlich mit Keramik, aber auch mit Terrakotta, Beton oder Stahl. Durch Schnitte, Krümmungen und Faltungen gehen seine Plastiken spielerisch mit mathematischen Formen um. In seinen Keramik-Plastiken befasst sich der Künstler mit dem Abstrakten und Konstruktiven. Aus der Formlosigkeit des Ausgangsmaterials Ton erschafft er elementare Körper wie Tore, Türme, Raumzeichen und Labyrinthe, die sich oft dynamisch im Raum verschränken. Auf diese Weise setzt er sich mit allgemeinen Prinzipien wie mit Statik und Bewegung auseinander. Seit 1988 ist der Künstler bei zahlreichen Einzelausstellungen sowie bei diversen Ausstellungen im In- und Ausland vertreten. Ferner realisiert er Projekte im öffentlichen Raum.
Architektur, Eisen
»Architektur« hat Emmenegger-Kanzler diese streng ortogonale, an Wänden orientierte Skulptur genannt. Sie basiert auf Baustrukturen von Architektur, auf Wänden, Innenräumen und schafft andeutungsweise ein Verhältnis zwischen Körper und Raum, zwischen Leerraum und Masse. Die Stele ist eine der ersten Eisenskulpturen des Künstlers, die er selbst als architektonischen Gedankenraum, nicht direkt, sondern eher als Anleitung um mit den Augen darin spazieren zu gehen, bezeichnet.
Über seine Kunst
Seine Skulpturen erscheinen in ihrer Außenform schlicht. Oft als Kuben oder Stelen gestaltet, öffnen sie erst auf den zweiten Blick ihre Komplexität. Dabei faszinieren diese Arbeiten durch das Material und seine Verarbeitung: geformt, geschnitten, durchbrochen, gerade gekrümmt, rund. Emmenegger-Kanzler materialisiert seine Konzepte mit dem verblüffend präzise geformten Material Ton und dem klassischen Material der abstrakten Plastik, dem Stahl. Schon ein Jahr nach seiner Ausbildung in Krefeld erhielt der Künstler den ersten Preis beim Wettbewerb „Zeitgenössische Keramik 1989“, Offenburg, drei Jahre später den Staatspreis Baden-Württemberg in Karlsruhe und 2008 die internationale Auszeichnung als Artist in residence des Ceramic Art Museums in Fuping/China.
Dr. Walter H. Lokau schreibt über Manfred Emmenegger-Kanzler
Er entscheide mit einer Arbeit jeweils darüber, was ein Betrachter zu sehen bekommt; schließlich wolle er ja etwas mit seiner Kunst, meinte Manfred Emmenegger-Kanzler einmal – und, so möchte man ergänzen, der Betrachter muss dann entscheiden, ob er seinerseits bereit ist, Arbeit in die eigene Wahrnehmung zu investieren, um Antwort zu finden auf die Frage, was denn das Kunstwerk von ihm wolle.In diesem Wechselspiel zwischen Künstler, Kunstwerk und Betrachter erst wären Manfred Emmenegger-Kanzlers Anspruch und das Anliegen seiner Kunst zu erfüllen. Emmenegger-Kanzlers Plastiken geben sich entschieden.
Nichts an ihnen erscheint zufällig. Sie sind präzise gearbeitet und, einem ersten Blick zumindest, klare, geometrische Konstruktionen-unspekulative und konkrete Objekte, bar jeder Expressivität und vermeintlich von hermetischer Selbstbezüglichkeit. Sie bemühen keine Illusion der Darstellung; außer dem, was materiell da ist, stellen sie nicht vor. Und doch ist die augenscheinlich so durchschaubare, selbstreferentielle Klarheit dieser schon architektural zu nennenden Gebilde von einer kalkulierten Raffinesse, die die Wahrnehmung des ersten Blickes zu einem zweiten, korrigierenden, ergänzenden Blick und wieder zu weiteren, vielen Blicken noch nötigt – was schließlich den Betrachter dazu bringen kann, über die eigene Wahrnehmung zu reflektieren, den Prozess des Wahrnehmens selbst wahrzunehmen.
Die Einfachheit der Arbeiten Manfred Emmenegger-Kanzlers erweist sich stets als trügerisch, resultierend aus der sorgfältig geplanten Komplexität einer Anordnung von differentiellen Elementen, die untereinander ein dialektisches Spiel von Gegensätzen entfalten: Form und Materie, Körper und Leere, Gerade und Krümmung, Ecke und Rundung, Innen und Außen, Vorne und Hinten, Oben und Unten usf. – niemals wird es dem Betrachter gelingen, eines dieser Elemente isoliert von den anderen oder die Gesamtheit der Gegensätze in einem einzigen Augenblick zu erfassen.
Emmenegger-Kanzlers Interesse an bestimmten Formkonstellationen prägt sich oft in Reihen von gleichartigen, freilich voneinander abweichenden Objekten aus. An diesen Variationsreihen eines formalen Themas wird vollends deutlich, dass in der Wahrnehmung weder das Einfache einfach noch das Ganze ganz jemals gegeben, hier und jetzt da ist. Das Einfache ist immer schon nur aus Differenzen hervorgegangen, die einander bedingen und ineinander sich wandeln – das Ganze setzt sich immer schon nur zusammen aus der schrittweisen Bewegung des Beobachtens eben dieser Differenzierung.
An der Kunst Manfred Emmenegger-Kanzlers wird die dialektische Abhängigkeit des Einen vom Anderen, das unauflösliche Widerspiel von Identität und Differenz sinnlich erfahrbar. Mit seiner Arbeit untersucht er die Grundlage dessen, was von einem Betrachter als Phänomen wahrgenommen wird. Dies als Erkenntnis sich bewusst zu machen, wäre die Arbeit des Betrachters.
Die Kunst ist zwar nicht das Brot, wohl aber der Wein des Lebens.
Jean Paul