Ausstellung 1 / 2026


3. 4. Karfreitag / 5. 4 . 2026 Ostersonntag 14 - 17 Uhr geöffnet!

HOT and HAEVY

Ort:  Rundofen, Fabrikstraße 5a, 77736 Zell am Harmersbach

Laudatio:  KAB (Klaus A. Burth)

Musikalische Rahmen:  Corazul Handpan (Gery) 

Ausstellungsdauer:  Do., 02. April bis zum So., 03. Mai 2026

Veranstalter: Förderverein Zeller Kunstwege e. V. / Stadt Zell

Öffnungszeiten Rundofen: Do; Fr; So jeweils 14 bis 17 Uhr

Ostersonntag geöffnet

Musikalischer Rahmen

Musikalischer Rahmen

Über die Ausstellung

Der Förderverein Zeller Kunstwege präsentiert im markanten Ambiente des Rundofens eine außergewöhnliche Werkschau, die Generationen und Disziplinen vereint. Den gemeinsamen Nenner der ausstellenden KünstlerInnen bildet die renommierte Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, an der alle Teilnehmenden ihr Examen absolviert haben – jedoch in unterschiedlichen Dekaden.

  • Echo zwischen Tradition und Gegenwart...

    Die Ausstellung spannt einen Bogen von etablierten Positionen bis hin zu frischen Impulsen. Während Michael Blum und Harald Häuser bereits fest im Kunstbetrieb verankert sind, repräsentieren Annika Audu, Julia Firmbach, Lea Göhringer, Madlen Jäger und Amelie Barbara Kiener die junge Generation der Akademie-Absolventinnen. Letztere überzeugten die Jury mit einem geschlossenen Gesamtkonzept, das eigens für den Ort „Rundofen“ entwickelt wurde. Dabei ist das Material Ton ein verbindendes Element. Trotz unter-schiedlicher Ansätze – von raumgreifender Malerei bis hin zu performativen Videoarbeiten – finden die Positionen in einem gemeinsamen Material ihre Brücke: dem Ton. Keramik, in verschiedensten Techniken und Nutzungen interpretiert, schafft Übergänge zwischen den Werken und verbindet die individuellen Handschriften zu einem harmonischen Ganzen.

  • Der Rundofen als Resonanzraum...

    Die Künstlerinnen begreifen den Rundofen nicht nur als Kulisse, sondern als aktiven Partner. Ihr Ziel ist es, diesen historischen Erinnerungsraum in einen zeitgenössischen Dialog zu stellen. Es entsteht ein vielschichtiges Echo zwischen Material, Idee und Raum, das die Wahrnehmung der Besucher herausfordert. Die Kunst macht den Ort für einen Moment intensiv erlebbar, um ihn anschließend wieder seinem eigenen Schicksal und der Stille des historischen Raums zu überlassen.

Julia Firmbach: Die Poesie des Umbruchs


Julia Firmbach widmet sich in ihrem künstlerischen Schaffen der Vielschichtigkeit des alltäglichen Erlebens, das meist von Rhythmus und Wiederholung geprägt ist. Ihr besonderes Interesse gilt jenen Momenten, in denen das Gewohnte eine radikale180-Grad-Wendung erfährt: Wenn das Vertraute plötzlich fremd erscheint und Freude in eine Trauer umschlägt, die sich jeder rationalen Erklärung entzieht.

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    Zwischen Serie und Stille


    Diese existenziellen Brüche übersetzt die Künstlerin in:

    Serielle Miniaturmalereien die durch ihre Wiederholung eine eigene Dynamik entwickeln.

    Objekte und Installationen die einen sensiblen Raum für die Wahrnehmung schaffen.

    Biografische Fundstücke, wie die geerbten Teppiche ihres Großvaters, die sie künstlerisch bearbeitet und so mit ihrer eigenen Wahrnehmung verflicht.



    Das Sichtbarmachen des Ungreifbaren


    In Firmbachs Werk schwingen stets die großen Fragen mit: Was bleibt? Was geschieht nach dem Tod? Ihre Arbeiten fungieren als Anspielungen auf das Transzendente und laden den Betrachter ein, aus dem "alltäglichen Trott" auszutreten. So entstehen Orte der Stille, die den flüchtigen Moment zwischen Erinnerung und Gegenwart festhalten.

Lea Göhringer: Die fluide Grenze des Seins


Lea Göhringers künstlerische Position bewegt sich in einem faszinierenden Zustand der Schwebe. Zwischen Manifestation und Transparenz lotet sie in den Medien Malerei, Zeichnung und Keramik die Dualitäten des menschlichen Daseins aus.

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    Der Körper als Membran

    Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist der menschliche Körper, den sie jedoch nicht als starre Form, sondern als fluide Hülle oder Membran begreift. 

    Diese Grenze erfüllt eine Doppelfunktion:

    Schutz: Das Bewahren und Kapseln innerer Erfahrungen und Empfindungen.

    Durchlässigkeit: Die Unausweichlichkeit, durch Begegnungen und Berührungen mit der Außenwelt beeinflusst zu werden.


    Die Linie als verbindendes Gewebe

    Das zentrale Element in Göhringers Schaffen ist die Linie. Über sie weben sich Körper ineinander, bis individuelle Konturen verblassen. Was in ihren Werken entsteht, sind:

    Flüchtige Umrisse: Die Trennung zwischen „Ich“ und „Anderem“ löst sich auf.

    Verwobene Strukturen: Ein rhythmisches Auf- und Abtauchen zwischen klarer Figürlichkeit und vollkommener Abstraktion.Auf dem Zeller Kunstweg verbinden sich traditionelles Handwerk, moderne Gestaltungstechniken und die besondere Atmosphäre der Fachwerkstadt zu einem einzigartigen Erlebnis. Bei dieser 90 -minütigen Führung erfahren Sie Spannendes über die ausgestellten Werke, ihre Entstehung und die Künstlerinnen und Künstler dahinter – von Keramik und Metallkunst bis hin zu zeitgenössischen Installationen.

Madlen Jäger:  Balance und Übergang


Für Madlen Jäger ist künstlerisches Arbeiten ein Prozess des Ausbalancierens. Zwischen Bild, Plastik und Installation entstehen Zustände des Dazwischen. Das Textile erscheint als Haut, Hülle, Fläche oder Körper, nie eindeutig festgelegt. Im Zentrum steht die Schwebe: ein Moment zwischen Präsenz und Auflösung, zwischen Ruhe und Bewegung.

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    Material und Erinnerung

    Leichte, transparente Stoffe bilden den Ausgangspunkt vieler Arbeiten. Ihre Durchlässigkeit ermöglicht ein sensibles Spiel mit Licht, Raum und Wahrnehmung. Form entsteht im Prozess durch Faltung, Schwerkraft und Intuition.

    Ergänzend arbeitet Jäger mit Keramik, in der sich Erinnerung materialisiert. Während Textil für Wandelbarkeit und Flüchtigkeit steht, speichert Keramik Spur, Abdruck und Verdichtung. Sie hält Momente fest, die im Stoff noch in Bewegung sind. Beide Materialien verhandeln gemeinsam Dauer und Vergänglichkeit.


    Prozess und Wahrnehmung

    Die Arbeiten entstehen im Dialog mit dem Raum. Überlagerungen, Schatten und Transparenzen erzeugen Ebenen, die weder klar Fläche noch klar Körper sind. Das Material wird nicht vollständig kontrolliert, sondern in seiner Eigenlogik ernst genommen. So entstehen ruhige, fragile Situationen, die Veränderung in sich tragen.

Annika Audu: Der Raum und sein Potential


Annika Audu widmet sich in ihrer künstlerischen Praxis der Rekonstruktion und Dekonstruktion von Erinnerungsräumen. Ihre Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle zwischen privater Mythologie und kollektivem Gedächtnis.

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    Der Prozess

    Durch die Schichtung von Materialien und das bewusste Freilegen tieferer Ebenen macht sie Zeitlichkeit physisch erlebbar.


    Das Motiv

    Alltägliche Fragmente werden aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und in neue, abstrakte Zusammenhänge überführt.


    Die Wirkung

    Es entstehen Werke, die den Betrachter einladen, das eigene Erinnern als einen konstruktiven, niemals abgeschlossenen Prozess zu begreifen.

Amelie Barbara Kiener: Körper und Intimität


Amelie Barbara Kiener erforscht die Beziehung zwischen Körper, Intimität und gesellschaftlichen Normen. Beeinflusst von gesellschaftskritischen Diskursen hinterfragt sie Vorstellungen von Geschlecht, Gender und Sexualität und macht emotionale Erfahrungsräume sichtbar.

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    Das Material Ton

     Die keramischen Arbeiten nutzt sie als Form der Erinnerung. Vertraute Formen erscheinen darin neu und verwandelt. So wird das Material zum Speicher von Spuren, Zeit und körperlicher Erfahrung.


    Intimität und Symbolsprache

    Kiener nutzt Symbole, um Emotionen und persönliche Erfahrungswelten aufzugreifen und in eine gesellschaftskritische Bildsprache zu übersetzen. Ihre Werke bewegen sich dabei zwischen privater Intimerfahrung und öffentlicher Wahrnehmung.


    Raumbezug

     Kieners Installationen setzen sich mit dem jeweiligen Ort auseinander, etwa mit dem Rundofen, und überführen ihn in performative Zusammenhänge, in denen der Raum nicht bloß Kulisse bleibt, sondern selbst zum aktiven, bedeutungstragenden Element wird.

Harald Häuser: Die Metaphysik der Farbe


Harald Häuser begreift Farbe nicht als Werkzeug der Abbildung, sondern als autonomes Ereignis. Sein Werk beschreibt eine konsequente Entwicklung von der strukturierten Raumdarstellung hin zu einer Malerei, die die Grenze zwischen physischer Präsenz und geistiger Tiefe auflöst.

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    Von der Struktur zur Autonomie

    In Häusers Schaffen weicht die klassische Perspektive einer rein malerischen Räumlichkeit. Durch Farbdifferenzierungen und „Farbdünste“ erschafft er atmosphärische Tiefen, die er selbst als „unbetretbare Räume“ bezeichnet.


    Der Eigenwert der Farbe

    Die Farbe löst sich vom Objekt und wird zum alleinigen Bedeutungsträger.


    Das Kraftfeld

    Durch die Reduktion der Form und die enorme Steigerung der Leuchtkraft verwandelt sich die Bildfläche in ein spannungsgeladenes, energetisches Feld.


    Licht als existentielles Zeichen

    Ein zentrales Motiv in Häusers Werk ist die Überwindung der Dunkelheit, durch glühende Farbmaterie. Dieses „Leuchtlicht“ fungiert als Metapher für die menschliche Situation in der Moderne:


    Die Überwindung des Dunklen

    Das Licht bricht aus der Tiefe hervor und behauptet sich gegen die Schatten der materiellen Welt.


    Das Kosmische

    Die Malerei wird zur „Verklärung der Weltlandschaft“ und führt den Betrachter in eine fast transzendente Regionen.


    Die Handschrift der Zeit

    Während die 80er Jahre in seinem Werk von einer Verdichtung der Farbmaterie und kalligraphischen Kürzeln geprägt waren, mündet sein Stil in eine kontemplative Schnellschrift. Der breite Pinselduktus verbindet die einzelnen Gemälde zu einem zyklenhaften Gesamtablauf – einer hohen Gangart, die die Sinneseindrücke bis ins Visionäre steigert.

Michael Blum: Zwischen Abstraktion und Heimat


Michael Blums künstlerisches Schaffen bewegt sich in einem spannungsvollen Dialog zwischen autonomer Malerei und mimetischer Wirklichkeitsdarstellung. Seine Wurzeln liegen in den freien Ansätzen der informellen Kunst der 1950er und 1960er Jahre – jener Lehrergeneration, deren Prozesse er heute zeitgenössisch weiterführt.

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    Die Landschaft als Anker und Impuls

    Zentraler Bezugspunkt seiner Arbeit ist die Schwarzwaldlandschaft. Sie fungiert jedoch nicht als bloßes Abbild, sondern als:


    Referenzmaterial

    Ein notwendiges Korrektiv zur sichtbaren Realität, das verhindert, dass der Malprozess in eine beliebige Zufälligkeit (Aleatorik) abgleitet.


    Emotionaler Impuls

    Die Landschaft, in der Blum lebt und sich bewegt, liefert die Initialzündung für subjektive Bezüge und individuelle Aspekte.


    Licht, Wetter und Atmosphäre

    In seinen Werken erprobt Blum unterschiedliche Grade der Wirklichkeit – vom Gegenständlichen bis zum beinahe vollständig Abstrakten. Dabei sind es vor allem die atmosphärischen Qualitäten, die den Bildraum definieren:


    Jahreszeiten & Licht

    Typische Formen und Farben werden zu Trägern spezifischer Stimmungen.


    Malerischer Prozess

    Der Umgang mit dem Material bleibt frei und prozesshaft, findet aber in der vertrauten Umgebung des Schwarzwaldes stets seinen inhaltlichen Halt.


    Die Synthese der Pole

    Blum nutzt die Landschaft nicht als Vorwand für reine Malerei, sondern als tief verwurzelte Verbindung zur Welt. Seine Bilder sind eine Einladung, die Natur nicht nur zu betrachten, sondern ihre Wetterstimmungen und Lichtsituationen als malerische Ereignisse neu zu erfahren.

Einblicke